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… ist im Einleitungstext „Der schwache Glaube“ alles gesagt. Die Homepage www.der-schwache-glaube.de ist auf die Blog-Seite umgezogen.
Zur Internet-Präsenz gehören Twitter und Facebook. Wenn ich auf interessante Links stoße, dann twittere ich sie meistens. Auf der Seite von Facebook reagiere ich auf das, was andere schreiben oder ich poste mal ein Bild, manchmal auch ein Hinweis auf neu eingestellte Beiträge.

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Kreis Soest: Ständig Schadstoffen im Erdreich auf der Spur, Pressemeldung

Untere Bodenschutzbehörde untersucht Verdachtsflächen auf Umweltgefahren

Bergungsarbeiten eines alten Heizöltanks auf einem ehemaligen Kasernengelände. Foto: Gerhard Haverland/ Kreis Soest
Bergungsarbeiten eines alten Heizöltanks auf einem ehemaligen Kasernengelände. Foto: Gerhard Haverland/ Kreis Soest

Derzeit sind im Kataster über altlastverdächtige Flächen für das Soester Kreisgebiet insgesamt 929 Standorte erfasst. Davon sind bis heute gut 50 Prozent untersucht. „Die Untere Bodenschutzbehörde der Kreisverwaltung hat sich zum Ziel gesetzt diesen Anteil zunächst bis 2020 auf 60 Prozent zu erhöhen, um etwaige Gefahren möglichst flächendeckend zu erkunden und diese dann beseitigen zu können“, betont Alfons Matuszczyk, Leiter der Abteilung Umwelt.

Die Flächen sind über das ganze Kreisgebiet verteilt. Es handelt sich dabei um alte Müllkippen, so genannte Altablagerungen, und um stillgelegte Betriebe, in denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen wurde, sogenannte Altstandorte, wie zum Beispiel Tankstellen oder chemische Reinigungen. „Die erfassten Flächen untersuchen wir nach und nach im Hinblick auf mögliche Gefahren für Mensch und Umwelt“, erläutert Marius Scheliga, Mitarbeiter der Unteren Bodenschutzbehörde. „Außerdem führen wir systematische Erhebungen über unter Altlastverdacht stehende Flächen und Bereiche mit möglichen schädlichen Bodenveränderungen durch, um sie bei Bestätigung ins Kataster aufzunehmen.“ 

So genannte Sondierbohrungen dienen dann jeweils dazu, Bodenproben aus verschiedenen Tiefen zu entnehmen und anschließend auf mögliche Schadstoffe zu untersuchen. Bei einem entsprechenden Verdacht wird auch noch die Qualität des Grundwassers beurteilt. Für die erforderliche technische Ausrüstung sorgt jeweils ein beauftragtes Ingenieurbüro.

Alfons Matuszczyk ist überzeugt, dass sich alle Anstrengungen und der Finanzaufwand in diesem Bereich lohnen und besonders nachhaltig sind. „Ziel unserer Arbeit ist es, den Boden so zu erhalten oder wieder herzustellen, dass seine vielfältigen Funktionen auch künftigen Generationen zur Verfügung stehen“, bringt es der Abteilungsleiter auf den Punkt.

Anmerkung (C.F.): Auf Nachfrage bei der Kreistagsfraktion der Grünen erhalte ich die Auskunft, dass diese bemüht ist, die Altlasten bis 2030 vollständig untersucht zu haben. Wie ist das in anderen Kommunen? Müsste das nicht schon jetzt vollständig untersucht sein? Das Gift schlummert bis dahin weiter im Boden.

 

Kritische Würdigung Heideggers, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Peter Trawny: Martin Heidegger, Eine kritische Einführung, Klostermann RoteReihe, Vittorio Klostermann GmbH, Frankfurt/Main 2016, Softcover, 183 Seiten, ISBN 9783465042617, Preis: 17,80 Euro

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Peter Trawny (geb. 1964), Professor für Philosophie in Wuppertal und Leiter des Martin-Heidegger-Instituts, Wuppertal, ist Mitherausgeber der „Gesamtausgabe“ Martin Heideggers und hat die bisher erschienenen Ausgaben der „Überlegungen“ und „Anmerkungen“ herausgegeben, die als „Schwarze Hefte“ bezeichnet werden. Diese Schriften haben auch Heideggers Anknüpfung an den Nationalsozialismus und seine antisemitischen Aussagen gezeigt und für Peter Trawny dazu geführt, Heideggers Philosophie neu kritisch zu lesen. Auf diese Anforderung könnte der Untertitel der „Kritischen Einführung“ in Heideggers Philosophie zurückgehen. Aber warum erinnert Peter Trawny jetzt (erst) daran,  dass eine kritische Lesart Heideggers ebenso auch dazu geeignet ist, seine Philosophie insgesamt dennoch zu würdigen? Kritische Würdigung Heideggers, Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016 weiterlesen

Skizzen einer Orientreise vor 100 Jahren – Pressemeldung Stadt Münster, Stadtmuseum

Vor 100 Jahren reiste Fritz Grotemeyer (1864-1947) als Bildberichterstatter in das Osmanische Reich. Beim deutschen Bündnispartner sollte der Maler aus Münster die Kämpfe des Ersten Weltkriegs in Bildern festhalten. Die Suche nach Motiven führte Grotemeyer von Konstantinopel – dem heutigen Istanbul – über Damaskus und Jerusalem bis auf die Sinai-Halbinsel. Auch wenn der Künstler keine Kriegshandlungen dokumentieren konnte, entstanden doch vor Ort einige 100 Skizzen – wie hier die Ölskizze „Am Brunnen in Birseba“. Eine Auswahl dieser Arbeiten zeigt das Stadtmuseum ab Freitag, 24. Juni, in seiner neuen Sonderausstellung „Der Maler Fritz Grotemeyer – Orientreise 1916“.162460P

Predigt über 1. Korinther 1, 18 – 25, Das Wort vom Kreuz heute, Christoph Fleischer, Welver 2016

Predigt über 1.Korinther 1,18-25, Das Wort vom Kreuz (Diese Predigt ist aus dem Jahr 2004, zuerst erschienen auf der Seite www.kanzelgruss.de). (Ich verwende diese Vorlage für die Gottesdienste in Neuengeseke und Möhnesee-Völlinghausen, aber werde im mündlichen Vortrag einiges ändern.)

Aktueller Einstieg vor oder nach der Verlesung des Textes: Ich habe mir ein paar kurze Informationen zu dem sogenannten Kruzifixurteil herausgesucht, weil ich mir vorstellen kann, dass ein aktueller Streitfall um das Anbringen von Kreuzen die Inhalte des Textes in eine aktuelle Perspektive stellt. Ich gehe aber auf den konkreten Anlass nicht ein, sondern nur auf einige Sätze zur Rechtslage: Das Kruzifix ist kein kulturelles, sondern ein religiöses Symbol. Durch das „Kreuz in der Schule“ wird eventuell die Freiheit der Eltern verletzt, die religiöse Erziehung des Kindes zu bestimmen. Danach dürften in öffentlichen Räumen wie Schulen oder Gerichtssälen kein Kruzifixe aufgehängt werden. Bayern hat hingegen beschlossen, weiterhin Kruzifixe aufzuhängen und nur dann abzunehmen, wenn es zu einer konkreten Beschwerde kommt. Der Europäische Gerichtshof hat 2011 hingegen in einem Urteil für einen italienischen Fall entschieden, dass das Kreuz als „passives Symbol“ einer „Mehrheitsreligion“ zu tolerieren ist und keine Indoktrination darstellt (Quelle: Wikipedia.org, eingesehen am 22.06.2016).

18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft.

19 Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.«

20 Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?

21 Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.

22 Denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit,

23 wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit;

24 denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

25 Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.

Bild vom Lohner Kirchenkunst Projekt der Aktion Kunst Stiftung von Klaus Peter Kirchner, Soest.

Ev. Kirche in Lohne, Gestaltung von drei Nischen durch das Kunstprojekt, Soest
Ev. Kirche in Lohne, Gestaltung von drei Nischen durch das Kunstprojekt, Soest

 

Liebe Gemeinde!

Das Kreuz, egal ob als schlichtes Kreuz oder als Kruzifix wird heute allgemein als Symbol des christlichen Glaubens betrachtet. Man wird davon ausgehen müssen, dass Paulus das so noch nicht kannte, denn er spricht von einer Botschaft, einem Wort vom Kreuz. Doch von diesem Wort aus zu einem Symbol zu kommen, ist einfach möglich. Daher möchte ich in dieser Predigt ein wenig skizzieren, wie diese Glaubensaussage im Brief des Paulus an die Korinther auf mich persönlich wirkt (ergänzt, 22.06.2016).

Die Hauptargumente gegen den christlichen Glauben sind hier Torheit und Ärgernis. Diese gelten heute erst recht wie vor 2000 Jahren. Ohne die Juden und die Griechen zu erwähnen, könnte man einfach sagen: die einen und die anderen, und man würde nicht merken, dass der Text so alt ist. Ich baue diese Worte einmal in einen Teil des Textes ein, und dann hieße er:

„Denn die einen fordern Zeichen und die anderen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den einen ein Ärgernis und den anderen eine Torheit, denen aber, die berufen sind, den einen und den anderen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ Predigt über 1. Korinther 1, 18 – 25, Das Wort vom Kreuz heute, Christoph Fleischer, Welver 2016 weiterlesen

Predigt über Römer 14, 10 – 13, Christoph Fleischer, Welver 2016

Predigt über Römer 14, 10 – 13, 4. Sonntag nach Trinitatis gehalten in Lohne und Bad Sassendorf am 18./19.6.2016 (Übersetzung: Gute Nachricht Bibel)

Zum Einstieg möchte ich uns einige Verse aus dem Zusammenhang des Textes im Römerbrief lesen:

Wer besondere Regeln beachtet, tut es für den Herrn, für Christus. Auch wer alles isst, tut es für den Herrn; denn er dankt ja Gott für das, was er isst. Und auch wer nur Pflanzenkost isst, tut es für den Herrn und dankt Gott dafür. Niemand von uns lebt für sich selbst und niemand stirbt für sich selbst. Wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und wenn wir sterben, sterben wir für den Herrn. Wir gehören dem Herrn im Leben und im Tod. Denn Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden, um Herr zu sein über alle, Tote wie Lebende. (Verse 6 – 9)

Warum verurteilst du dann deinen Bruder oder deine Schwester? Und du, warum verachtest du sie? Wir werden alle einmal vor Gott stehen und von ihm gerichtet werden. In den Heiligen Schriften heißt es ja: „So gewiss ich, der Herr, lebe: Alle werden vor mir auf die Knie fallen, alle werden Gott die Ehre geben.“ So wird also jeder Einzelne von uns sich für sein eigenes Tun verantworten müssen.

Hören wir also auf, uns gegenseitig zu verurteilen! Seid vielmehr kritisch gegen euch selbst, wenn ihr euch im Glauben stark fühlt, und vermeidet alles, was einem Bruder oder einer Schwester Anstoß bereiten oder sie zu Fall bringen kann. (Verse 10 – 13)

Version 2
Foto: Niklas Fleischer (c)

Liebe Gemeinde,

„Streit und Aggression in der Kirche“ – kann es so etwas überhaupt geben? Nun offensichtlich ist es da, wo Menschen zusammen sind, auch denkbar, dass es Streit gibt. Paulus setzt schon in diesem Römerbrief wie auch in anderen Briefen Streitigkeiten voraus. Doch wer streitet eigentlich genau mit wem? Diese Frage ist noch nicht dadurch zu beantworten, dass die Streitthemen geschildert werden. Wo es solche Streitigkeiten gibt, lassen sich offensichtlich auch Gruppen oder Parteien unterscheiden. Paulus nennt sie die Schwachen und die Starken. Wobei er durchaus durchblicken lässt, das er selbst nicht neutral ist, sondern der Position der Starken zuzurechnen ist. Predigt über Römer 14, 10 – 13, Christoph Fleischer, Welver 2016 weiterlesen

Reformation – Gedenken oder Feiern? Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Tillmann Bendikowski, Der deutsche Glaubenskrieg, Martin Luther, der Papst und die Folgen, C. Bertelsmann, München 2016, gebunden, 380 Seiten, ISBN 9783570101971, Preis: 24,99 Euro

Hat Martin Luther eigentlich erreicht, was er selbst erreichen wollte? War nicht eigentlich bis 1530 aus lutherischer Sicht offen, ob sich die römisch-katholische Kirche – seit wann heißt sie eigentlich so? – hätte reformieren lassen, zumal doch mit der neuen Bibelübersetzung deutlich war, dass sich die Kirche zu ihren ursprünglichen Grundlagen hätte bekehren müssen?

Tillmann Bendikowski stellt diese meine Fragen so nicht, da sie eher von theologischer Sichtweise kommen. Er, der 1965 geborene promovierte Historiker und Journalist, zeigt die Kirchenspaltung zwischen evangelisch und katholisch als das eigentliche Resultat der Reformation in Europa. Wäre allerdings der Weg in die spirituelle Vielfalt der Gegenwart wirklich ein Scheitern, oder sollte man darin eine Reifung und Ausdifferenzierung betrachten? Immerhin ist es auch ein Resultat der Reformation, dass es neben der eigenen oder anderen Konfession noch eine neutrale Position geben kann, die nicht nach Bewahrung oder Erneuerung des Christentums fragt, sondern nach dem, was historisch betrachtet in den letzten 500 Jahren geschehen ist. Reformation – Gedenken oder Feiern? Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016 weiterlesen

Das voraussichtliche Ende der Menschheit, Rezension von Christoph Fleischer und Markus Chmielorz, Welver und Dortmund 2016

Zu: Peter Sloterdijk: Was geschah im 20. Jahrhundert? Suhrkamp Verlag Berlin 2016, ISBN 978-3-518-42507-7. Preis: 26,95 Euro

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Beim Medienstar der Philosophie Peter Sloterdijk (geb. 1947) ist das Denken immer (auch) Reflexion der Gegenwart. Der bald nach dem zweiten Weltkrieg geborene Zeitzeuge hat in seinen Vorträgen von 2005 bis 2013 versucht, historische Linien im 20. Jahrhundert zu sehen, zu beschreiben und freizulegen.

Ist es das von nun an absehbare Ende der Menschheit, so dass im Rückblick vom „Anthropozän“ die Rede wäre (doch wer sollte zurückblicken?). Damit wäre nun allerdings zugleich das Ende der Geschichte festgestellt, was allerdings zu keinem Zeitpunkt des 20. Jahrhunderts vorgezogen werden konnte. Keine Frage ist, dass die Vorträge auch die Sachgebiete der Globalisierung und der Klimakatastrophe berühren. Was allerdings noch mehr interessiert ist, was denn von daher zum Denken zu sagen wäre.

In zwölf Kapiteln wendet sich Sloterdijk zurück, um quasi durch die Brillen bedeutender Denker eine Antwort auf seine Frage „Was geschah im 20. Jahrhundert?“ zu geben. Dabei ist er sich seines Standpunktes, den er in der europäischen Moderne verortet so bewusst, dass er ihn auch einer notwendigen Reflexion unterziehen kann. Den Einstieg bildet ein, so könnte man sagen, in moderner Tradition begründeter enzyklopädischer Zugang zum Anthropozän, der nun wiederum mit einer nächsten Frage verbunden wird; „Ein Prozeß-Zustand am Rande der Erd-Geschichte?“, so der Untertitel des Kapitels. Es folgen Kapitel zur Zivilisation und den Kulturen, zur „Allgemeinen Ökologie“, zu philosophischen Aspekten der Globalisierung, zur „Kritik der extremistischen Vernunft“, zu Derrida, zur „Philosophie der Raumstation“, zur italienischen Novelle, zu Heidegger, zur „Philosophie aus dem Geist des Reise-Stress“ zum Grundgesetz und schließlich zur „Vernunft der List“. Was auf den ersten Blick aussieht, wie das Nebeneinanderstellen des Unverbundenen, bekommt seinen Sinn dadurch, dass es Sloterdijk gelingt, gleich auf mehreren Beobachtungsebenen „Klammern“ anzugeben, so dass aus den einzelnen Fäden ein ganzer Stoff entsteht: Er stellt hier ebenso die (moderne) Frage danach, was zu tun sein, wie er gegenüber der Philosophie eine Einladung erteilt, selbstreferentieller und selbstreflexiver zu arbeiten.

Das voraussichtliche Ende der Menschheit, Rezension von Christoph Fleischer und Markus Chmielorz, Welver und Dortmund 2016 weiterlesen

Gegenwartsbezug und religiöser Ernst: Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Martin Buber: Die Erzählungen der Chassidim, Neuausgabe mit Register und Glossar, Nachword von Michael Brocke, Manesse Verlag, Zürich 2014, 780 Seiten, gebunden, ISBN 9783717523680, Preis: 29,95 Euro

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Die erste Buchausgabe dieses Bandes erschien 1949 und war damit in zweifacher Hinsicht historisch. Es war Martin Bubers Antwort auf die Shoah: Die Erzählungen des Judentums aus Osteuropa leben und in ihnen lebt das Judentum weiter. Das Buch ist sicherlich ein Lebenswerk Bubers, in dieser neuen Ausgabe auf dem Einband durch eine Grafik von Marc Chagall aufgewertet. Diese Neuausgabe enthält drei wertvolle Zugaben: Ein Stichwortverzeichnis wichtiger Namen und Begriffe, mit der sich gezielt exemplarische Kurztexte heraussuchen lassen, dazu ein Verzeichnis biblischer Bezugnahmen und das Nachwort des Judaisten Michael Brocke.

Nach der Lektüre des Nachworts wird die biographische Bedeutung und Einordnung der Erzählungen der Chassidim in das Werk von Martin Buber deutlich. Die Erzählungen, die Buber zum Teil schon gedruckt vorlagen und im Judentum Osteuropas verbreitet waren, wollte Martin Buber als lebendiges Zeugnis verstehen. Er hat die ihm vorliegenden Texte bearbeitet und eine Auswahl getroffen. Nicht die esoterische Botschaft der jeweiligen Rabbiner interessierte ihn, sondern die Betonung der Bedeutung der jeweiligen Zaddikim (Lehrer) selbst. In den Erzählungen reduziert Buber die Aussagen auf das Wesentliche. Michael Brocke schreibt: „Schaut man etwas genauer hin, sieht man die Stücke jeweils in ihrer Umgebung, so wollen sie oftmals zu zweit oder zu dritt gelesen werden. Sie sind einander unauffällig thematisch verwandt;“ (S. 756). Gegenwartsbezug und religiöser Ernst: Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016 weiterlesen

Jesus, komm vom Kreuz herab! Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016

Zu: Detlev F. Neufert: Jesus, Das Interview, Neues vom Auferstandenen, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, ISBN 978-3-579-07088-9

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Der Dokumentarfilmer Detlev Neufert (geb. 1948) hat ein Buch von Gesprächen mit Jesus geschrieben. Doch wie ist ihm Jesus persönlich begegnet? Das bleibt sein Geheimnis. –

Das Buch macht also schon erst einmal neugierig. Die kurze Einleitung „über unser Treffen“ und „über Jesus“ (S. 7) machen die Antwort auf diese Frage nicht leichter. Nur eben: Das Jesusbild soll sich weniger am Gekreuzigten als am Auferstandenen orientieren, so in etwa, wie es die Katakomben in Rom zeigen „als einen klugen, mutigen und schönen Jüngling“ (S. 7).

Diese kurze Einleitung erklärt zwar die Begegnung mit Jesus, aber doch nicht den persönlichen Hintergrund und evtl. auch den Anlass, dieses Buch zu schreiben. So hängt das Interview m. E. von den ersten Gesprächen an etwas in der Luft.

Zum Vergleich: Es gibt in den USA einen Bestsellerautor der Esoterik, der eine moderne Mystik in Gestalt der „Gespräche mit Gott“ bietet, von dem es inzwischen drei Bände und mehrere andere Titel gibt. Für diesen Autor Neal Donald Walsch war es eine persönliche Krise und deren Überwindung, die ihn bewogen hat, seine (inneren) Gespräche mit Gott zu notieren. Gott tritt dort als realer Gesprächspartner auf, wie hier bei Detlev Neufert Jesus.

Was ist also das Motiv dieses Autors von seinen Gesprächen mit Jesus zu berichten? Jesus, komm vom Kreuz herab! Rezension von Christoph Fleischer, Welver 2016 weiterlesen

Entwurf einer Rede, die ich halten würde. Christoph Fleischer, Welver 2016

Eine große Gruppierung in unserem Land äußert ihre Sorge über den Zuzug von ihnen fremden Menschen. Sie haben gar Angst vor einer Islamisierung. Dazu gehören Menschen, die meinen, Religion sei nicht mehr zeitgemäß und würde uns ins Mittelalter befördern. Nach und nach würden ihnen alle Rechte genommen.

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Niklas Fleischer (c)

Dann gibt es Menschen, die gehören einer anderen Religion an und sind etwa evangelisch und katholisch. Die haben ein Glaubensproblem, weil sie der Güte und Weite Gottes nicht mehr trauen und die Feindesliebe Jesu vergessen haben, mal unterstellt, sie würden die Angehörigen etwa des Islam als Feinde sehen. Zugegeben ist, dass diese Vorstellung auch dadurch unterstützt wird, indem man einseitig über die Verfolgung von Christen oder dem Verbot berichtet, vom Islam zu Christentum zu konvertieren. Entwurf einer Rede, die ich halten würde. Christoph Fleischer, Welver 2016 weiterlesen